Akupunktur gilt als bewährte Methode zur Regulation körperlicher Prozesse. Doch nicht alle Patient:innen empfinden das Einführen von Nadeln als angenehm – manche haben Angst und sind besonders schmerzempfindlich, oder die Haut ist an den zu behandelnden Stellen nicht intakt. Genau hier setzt die Laserakupunktur als Teil der Softlasertherapie an: Sie stimuliert dieselben Punkte, arbeitet jedoch schmerzfrei und risikoarm.
Immer häufiger kommt deshalb die Frage auf, ob Laserakupunktur eine echte Alternative zur klassischen Akupunktur sein kann. Dieser Artikel vergleicht die Wirkweise, zeigt konkrete Vorteile und erklärt, wie man beide Methoden verantwortungsvoll anwenden kann.
Unterschied in der Wirkung: Akupunktur und Laserakupunktur
Sowohl die Nadel- als auch die Laserakupunktur zielen auf denselben Mechanismus: Sie setzen an definierten Punkten des Körpers (entlang von Meridianen) gezielt Reize, die eine neurovegetative und immunmodulierende Reaktion auslösen. Dabei entsteht ein Aktionspotential, das das Nervensystem stimuliert – insbesondere das vegetative Nervensystem. Der Unterschied zwischen Akupunktur und Laserakupunktur liegt vor allem im Reizmechanismus und in der Zugänglichkeit der Methode.
Bei der Nadelakupunktur geschieht dies durch mechanischen Reiz. Die Nadel wird in das Gewebe eingeführt und dort für eine bestimmte Zeit belassen. Viele Patient:innen spüren dabei das sogenannte „De-qi-Gefühl“, eine Art dumpfer Zug, Kribbeln oder Druck. Dieser Reiz kann je nach Tiefe, Punktwahl und Nadeltechnik recht stark ausfallen – was gewünscht, aber nicht immer angenehm ist.
Bei der Laserakupunktur erfolgt der Reiz durch Lichtfrequenz. Der Softlaser stimuliert den Akupunkturpunkt über einen photobiologischen Effekt: Er verbessert die Mikrozirkulation, aktiviert die Zellatmung, fördert die ATP-Produktion in den Zellen. Das hat entzündungshemmende sowie schmerzlindernde Wirkung zur Folge, und das ganz ohne Nadeln oder Schmerzen. Die Stimulation ist präzise dosierbar und Nebenwirkungsfrei. Zudem lassen sich auch sensible oder schwer zugängliche Punkte unkompliziert behandeln.
Vorteile der Laserakupunktur
Die Laserakupunktur bietet eine Reihe praktischer und technischer Vorteile, die sie zu einer wertvollen Erweiterung des therapeutischen Spektrums machen. Besonders hervorzuheben ist die schmerzfreie, berührungsarme Anwendung, die es auch sensiblen oder ängstlichen Patient:innen ermöglicht, von akupunkturbasierten Verfahren zu profitieren.
Je nach Laserstärke dauert die Stimulation eines Punktes nur 10 bis 50 Sekunden, was den Laser besonders eignet für kurze Termine oder die Behandlung von Kindern. Er lässt sich exakt führen, fein dosieren und kommt auch dort zum Einsatz, wo klassische Nadeln nicht möglich sind – etwa bei vorgeschädigter Haut oder schwer zugänglichen Punkten.
Zu den Vorteilen der Laserakupunktur zählen neben der Schmerzfreiheit auch die flexible Anwendung im Praxisalltag: Der Einsatz kann delegiert werden. In vielen Fällen darf die Laserbehandlung von geschultem Assistenzpersonal durchgeführt werden, was den Arbeitsprozess in einer Praxis erleichtern kann. Auch Patient:innen selbst können den Laser nach entsprechender Schulung nutzen, etwa zur Wundbehandlung oder bei chronischen Beschwerden.
Wann ist Laserakupunktur besonders sinnvoll?
Nicht immer ist die klassische Nadel die beste Wahl – und nicht immer ist der Laser die richtige Lösung. In der Praxis zeigt sich, dass beide Methoden ihre Berechtigung haben. Entscheidend ist, bei welchen Beschwerden und unter welchen Umständen welches Verfahren besser geeignet ist. Die folgenden Anwendungsbereiche haben sich in der Praxis als besonders geeignet erwiesen:
Tipps für die Praxis
- Bei Kindern und sensiblen Patient:innen ist die schmerzfreie Akupunktur besonders geeignet: Der Softlaser ist lediglich eine sanfte Berührung, vollkommen schmerzfrei und schnell anwendbar – oft reichen wenige Sekunden pro Punkt. Gerade bei jungen Patient:innen, die sich schlecht entspannen können oder Angst vor Nadeln haben, bietet der Softlaser eine echte Alternative. Auch in der Schwangerschaft lässt sich der Laser sanft und sicher einsetzen, etwa bei Rückenschmerzen, Übelkeit oder zur Geburtsvorbereitung.
- In stark frequentierten Praxen, etwa bei hoher Taktung oder kurzen Konsultationen, hat sich der Laser ebenfalls bewährt. Weil keine Liegezeit nötig ist, lässt sich die Akupunktur effizient in den Praxisalltag integrieren und kann auch an geschultes Assistenzpersonal delegiert werden, sofern mit festgelegten Punkteschemata gearbeitet wird.
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Bei vorgeschädigter Haut, etwa bei Neurodermitis, Narben oder Weichteilverletzungen, ist der Laser der Nadel oft überlegen: keine Infektionsgefahr, keine zusätzliche Reizung, aber dennoch eine gute Wirkung auf Entzündungen, Regeneration und Schmerzlinderung. Zur beschleunigten Wundbehandlung wird ausschließlich der Laser verwendet.
- Großflächige Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Prellungen oder posttraumatische Weichteilschäden lassen sich mit dem Laser flächig behandeln und das ohne Überreizung und mit positiver Wirkung auf Durchblutung, Zellstoffwechsel und Schmerzlinderung.
- In der Gynäkologie, wie etwa bei Menstruationsbeschwerden, hormonellen Dysbalancen oder im Wochenbett, kommt der Softlaser besonders häufig zum Einsatz. Die Behandlung reicht von Wundbehandlungen vaginal oder an den Brustwarzen bis hin zur Verbesserung der hormonellen Regulation.
Die klassische Nadelakupunktur hingegen hat ihren Platz dort, wo ein stärkerer Reiz gewünscht ist – etwa bei akuten Rückenschmerzen oder Blockaden, die mit Schröpfen kombiniert werden sollen. Auch bei sehr geschwächten Patient:innen kann die längere Verweildauer der Nadeln (mindestens 30 Minuten) therapeutisch sinnvoll sein, um das vegetative Nervensystem in die Tiefe zu regulieren und Entspannung zu ermöglichen.
Kombination aus Laserakupunktur und Nadel
Ich setze in meiner Praxis immer wieder beide Verfahren parallel ein, da sich die Wirkweisen tatsächlich sinnvoll kombinieren lassen. Während die Nadel durch ihren tiefen, mechanischen Reiz das vegetative Nervensystem gezielt stimuliert und häufig eine starke Regulation in Gang setzt, ermöglicht der Softlaser eine sanfte, punktgenaue Behandlung auch während anderer therapeutischer Maßnahmen.
Ein typisches Beispiel: Nach einer operativ versorgten Schnittverletzung kombiniere ich eine gezielte Nadelakupunktur gegen Schmerzen mit einer gleichzeitigen Laserbehandlung direkt über der Wundfläche. Während die Nadeln ihre Wirkung entfalten, kann ich mit dem Laser zusätzlich die Durchblutung fördern, Entzündung lindern und die Wundheilung aktiv unterstützen. So entstehen keine Wartezeiten, sondern ein synergetischer Effekt.
Auch während einer Infusion wie einer Hochdosis-Vitamin-C-Therapie nutze ich die Möglichkeit, Akupunkturpunkte mit dem Laser zu stimulieren. Besonders effektiv ist die Anwendung von Fernpunkten: So lässt sich etwa bei einem Infekt der oberen Atemwege während der Infusionstherapie über den Punkt Di 4 an der Hand die Durchblutung im Kopf-Hals-Bereich verstärken und die lokale Heilung gezielt fördern.
Ausbildung & Qualifikation: Wer darf Akupunktur oder Laserakupunktur anwenden?
Klassische Nadelakupunktur zählt in Deutschland und Österreich zu den invasiven Heilverfahren. Deshalb darf sie nur von Ärzt:innen, Heilpraktiker:innen oder – nach erfolgter Ausbildung – Hebammen durchgeführt werden. Die Ausbildung ist umfangreich: Sie umfasst in der Regel mindestens 180 Unterrichtseinheiten, verteilt sich auf etwa zwei Jahre und setzt ein tiefes Verständnis für Leitbahnsysteme, Organzuordnungen, mögliche Komplikationen und rechtliche Rahmenbedingungen voraus.
Anders verhält es sich bei der Laserakupunktur. Da sie nicht invasiv ist und die Haut nicht verletzt, ist sie auch für Personen ohne ärztliche Approbation oder Heilerlaubnis zugänglich. Der Laser darf – mit entsprechender Ausbildung – von Therapeut:innen, medizinischen Fachkräften und sogar von Patient:innen selbst angewendet werden. Entscheidend ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern der sichere Umgang mit der Technik und das Verständnis für die Wirkung der Laserimpulse. Wer mit einem Klasse-3B-Laser arbeitet, benötigt zusätzlich einen Laserschutzkurs, wie er für alle lichtbasierten Therapieverfahren vorgeschrieben ist.
Auch wenn die Anwendung einfach erscheinen mag, braucht es dennoch fachliche Vorbereitung. Die Wirkung des Lasers auf das vegetative Nervensystem, die Mikrozirkulation und den Zellstoffwechsel ist gut dokumentiert, weshalb es wichtig ist, mit der nötigen Sorgfalt vorzugehen. Wer Laserakupunktur professionell einsetzen möchte, sollte wissen, wie Punkte lokalisiert, Reize dosiert und Indikationen richtig eingeschätzt werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass das Verfahren wirksam bleibt.
FAZIT
Im Kontext einer integrativen Gesundheitsmedizin eröffnet die Laserakupunktur neue Handlungsspielräume: Sie lässt sich mit schulmedizinischen wie komplementären Verfahren kombinieren, individuell dosieren und flexibel in verschiedenste Behandlungssettings integrieren – von der Gynäkologie bis zur Schmerztherapie, von der pädiatrischen Praxis bis zur Wundheilung.
Die eigentliche Stärke der Laserakupunktur liegt also nicht nur in ihrer Wirkung, sondern auch in ihrer Zugänglichkeit: Sie ermöglicht vielen Menschen, unabhängig von formalen Qualifikationen, den Zugang zu einer regulierenden, sanften Methode, die sich individuell und verantwortungsvoll in den Alltag integrieren lässt. Damit leistet die Laserakupunktur einen praxisrelevanten Beitrag zur Weiterentwicklung integrativer Behandlungskonzepte – im Sinne einer Gesundheitsmedizin, die unterschiedliche Verfahren verantwortungsvoll verbindet.
Ausbildung zur Laserakupunktur ab Jänner 2026
Lerne, wie du den Softlaser sicher, gezielt und punktgenau einsetzen kannst
Im Diplomlehrgang Lasertherapie in der praktischen Anwendung lernst du, den Softlaser gezielt auf Akupunkturpunkten einzusetzen, geeignete Indikationen zu erkennen und den Laser sinnvoll mit anderen Verfahren deiner Praxis zu kombinieren.
Der Lehrgang richtet sich auch an Personen ohne Akupunkturdiplom – vorausgesetzt wird ein medizinischer oder therapeutischer Hintergrund. Neben den Grundlagen der Akupunktur lernst du weitere wirksame Einsatzfelder des Softlasers kennen und praktisch anzuwenden.


